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Kapitel 5 - Südstadt
Zwei riesige, bogenförmige
Dämme ragten endlos weit ins Meer hinaus, die sowohl
als Schutz vor Stürmen, als auch gegen feindliche Angriffe
seewärts ihren Dienst zu erweisen vermochten - und
ganz offensichtlich auch als Anlegestelle für Boote
und Schiffe. An jeder Seite wurden zahlreiche, gigantisch
grosse Granitsäulen in regelmässigen Abständen
errichtet, die wahrscheinlich die Aufgabe hatten, die mächtigen
Wellenbrecher zu festigen.
Der Hafen selbst verfügte über zwei mindestens
dreihundert Fuss breite Einläufe. Zwei deshalb - erklärte
ihm der Meister des steinernen Kampfes -damit die Schiffe
je nach dem woher der Wind kam, besser in den Hafen manövrieren
konnten. Dazu musste man das Schiff durch je zwei hintereinander
angelegte und unübersehbar grosse Torbögen steuern,
die die Stadttore von Tarantlan geradezu lächerlich
klein ausehen gelassen hätten, hätte man sie miteinander
verglichen. In schwindelerregender Höhe befestigten
Soldaten die gewaltigen Türme oder patrouillierten
in den Scharten, welche die Bauten bestückten. Cerin
kam sich vor wie ein Zwerg, als sie die Pforten passierten.
Vier kolossale, in massiven Stein gehauene und völlig
identisch aussehende Löwenstatuen blickten links und
rechts des Fundamentes furchteinflößend auf die
vorbeifahrenden Schiffe herab, so dass sich Cerin gleich
noch kleiner und unscheinbarer vorkam. Noch nie im Leben
hatte er derart mächtige, im wahrsten Sinne des Wortes
-majestätische- und von Menschenhand erschaffene Bauwerke
gesehen.
Das Wasser dagegen wurde immer dunkler und schmutziger,
je tiefer sie in den Hafen hinein fuhren - was man auch
deutlich riechen konnte. Allerlei Abfälle und Exkremente,
abgehackte Fischköpfe, Innereien, und Dinge, die man
sich nur erahnen konnte, schwammen darin herum und ergaben
mit dem Seetang und den Algen einen Geruch, einen Gestank,
der bei Cerin beinahe einen Brechreiz auslöste. Voller
Ekel hielt er sich den Atem an. Wie kontrastreich die Menschheit
doch war. Auf der einen Seite erschufen sie wahre Kunstwerke,
auf der anderen Seite nur Schmutz und Dreck, Abschaum und
Müll. Und das so nah beieinander. Aber genau das zeichnete
die Menschheit aus und machte sie so einzigartig. Wo es
Gutes gab, gab es auch Schlechtes. Wo es Liebe gab, gab
es Hass. Dies war der Lauf der Dinge und unterschied sie
so wesentlich von den Tieren.
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